Der Pferdeflüsterer im eigenen Körper
- Heike Gottschling-Wulf
- vor 6 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Reiten ist Kommunikation – und zwar Dauerkommunikation. Viele Reiter unterschätzen dabei, wer da eigentlich die ganze Zeit redet. Es ist nicht die feine Hilfe mit dem Schenkel, auch nicht das zarte Annehmen der Hand und schon gar nicht das „Brrr“ von oben. Nein: Es ist der ganze Reiterkörper.
Und das Pferd? Das hört nicht nur zu – es versteht jedes Wort. Und manchmal kompensiert es so fleißig, dass der Reiter glaubt: „Alles bestens!“ Dabei schiebt das Pferd längst Überstunden.
Dein Körper – ein Schwätzer ohne Filter
Der Reiterkörper ist wie ein Freund, der Geheimnisse einfach nicht für sich behalten kann: Er plaudert alles aus.
Unsicherheit → rutscht sofort in die Haltung.
Zweifel → klemmt sich in den Atem.
Anspannung → hängt im Becken wie ein Sack Kartoffeln.
Und das Pferd? Liest das alles wie Schlagzeilen auf der Titelseite. Millimeter, Nuancen – Dinge, die du selbst nicht mal bemerkst. Aber für dein Pferd sind sie so laut wie ein Megafon.
Wenn das Pferd zum Psychologen mutiert
Das Faszinierende: Pferde reagieren unmittelbar auf das, was wir innerlich mitbringen.
Wer angespannt ist, kann ein nervöses Pferd bekommen.
Wer unsicher ist, kann erleben, dass das Pferd zögert oder stehenbleibt.
Wer unklar ist, kann sich wundern, warum das Pferd scheinbar „stur“ wird.
Nicht jedes Pferd reagiert gleich. Manche gleichen jahrelang aus, brav und gutmütig – andere zeigen schon nach fünf Minuten, dass sie keine Lust haben, Therapeut zu spielen.
Und was macht der Reiter? Oft sagt er: „Das Pferd will nicht.“ In Wahrheit übersetzt das Pferd nur gnadenlos ehrlich das, was der Reiterkörper längst ausgestrahlt hat.
Die Last der Gutmütigkeit
Viele Pferde sind wahre Helden. Sie tragen uns – mit unseren Schiefen, Blockaden, Zweifeln und Ängsten. Sie versuchen, den Job mit zu erledigen, den eigentlich der Reiterkörper hätte. Aber irgendwann kippt das Gleichgewicht. Dann tauchen Widerstände auf: die Bewegung wird fest, die Losgelassenheit verschwindet, Übergänge klemmen.
Nicht, weil das Pferd böse wäre. Sondern weil der Reiterkörper seit langem eine ganz andere Geschichte erzählt, als die Hilfen es tun.
Fazit
Dein Körper ist der eigentliche Pferdeflüsterer. Er spricht immer – egal, ob du willst oder nicht. Die spannende Frage ist: Welche Geschichte erzählst du deinem Pferd?
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