Wenn das Problem nicht im Pferd, sondern im Sattel sitzt
- Heike Gottschling-Wulf
- 18. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Reiter bestehen nicht nur aus Helm, Stiefeln und einer Portion Ehrgeiz. Sie bestehen aus Körper, Geist und Seele – und alles drei wirkt im Sattel zusammen. Genau das macht die Sache spannend. Denn ein Pferd reagiert nicht nur auf Zügel und Schenkel, sondern auch auf Haltung, Stimmung und Gedanken.
Die Sache mit dem Sitz
Jeder Reitlehrer predigt: Nur aus einem guten Sitz können gute Hilfen kommen. Klingt logisch. Aber was, wenn der Sitz eben nicht nur ein „Sitzfehler“ ist?Eine nach vorn hängende Kopfhaltung, ein verspannter Nacken, ein steifes Becken – das sind nicht einfach kleine Schönheitsfehler, sondern oft Hinweise auf tiefere Blockaden.
Das Pferd wird zum Physiotherapeuten – aber umgekehrt läuft’s nicht
Fürs Pferd wird keine Mühe gescheut: Sattler, Tierarzt, Zahnarzt, Osteopath, Hufschmied – alles wird kontrolliert.Und der Reiter? Der sitzt schief, verspannt oder schiebt die Schulter hoch und sagt:„Ach, das liegt nur am Pferd.“„Ich sitze halt so.“Das ist Input-Immunität: Gute Hinweise prallen ab wie Regen auf einer frisch gewachsten Regenjacke.
Wenn Übungen nicht reichen
Natürlich kann man viel mit Gymnastik am Boden, Longenstunden oder Sitzschulung erreichen. Aber manchmal reicht das nicht. Dann gehört ein Physiotherapeut oder Osteopath ran. Und da liegt oft die größte Hürde: Fürs Pferd wird investiert, für sich selbst nicht. Stattdessen soll das Pferd die menschlichen Schiefstände ausgleichen – bis es irgendwann nicht mehr kann.
Blockaden sind mehr als Verspannungen
Blockaden sind nicht nur körperlich. Gedanken, Ängste, alte Muster – alles sitzt mit im Sattel. Wer innerlich „Gas“ schreit, kann außen noch so brav „Brrr“ hauchen. Das Pferd hört, was gemeint ist.
Mein Ansatz
Ich bin keine Physiotherapeutin, ich renke keine Gelenke ein. Aber ich schaue genau hin: Wo ist es Unterricht? Wo ist es Körper? Wo ist es Kopf? Und wenn es nicht mein Bereich ist, sage ich das auch klar und empfehle die passenden Fachleute.Gleichzeitig helfe ich Reitern, ihre unsichtbaren Blockaden zu erkennen – damit sie nicht länger unbewusst ihren eigenen Fortschritt sabotieren.
Fazit
Reiten beginnt nicht beim Pferd, sondern beim Reiter. Wer seinem Pferd den besten Sattler gönnt, sollte sich selbst nicht auf die Ersatzbank setzen. Denn der beste Sitz nützt nichts, wenn Körper, Geist oder Seele querliegen.
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